Chronik der Stiftung Industrie- und Alltagskultur


1990

Auf der Grundlage des Entwurfs des Rahmenstiftungsgesetzes für die neuen Bundesländer wird am 25. September 1990 das Stiftungsgeschäft mit dem Antrag auf Errichtung der Stiftung Industrie- und Alltagskultur mit Sitz in Potsdam eröffnet; die Genehmigung des Antrages erfolgt am 27. September 1990. Das Stiftungsvermögen zum Zeitpunkt der Genehmigung beträgt 300.000 DM. Als Treuhänder für den Stifter, den Minister für Kultur der DDR, Herbert Schirmer, handelt Rupert Graf Strachwitz. Er hat die Angelegenheiten der Stiftung bis zu ihrer staatlichen Genehmigung sowie die Bestellung ihrer Organmitglieder zu begleiten.

Der herausgehobene Wille des Stifters besteht darin, mit der Stiftung Industrie- und Alltagskultur der Sammlung industrielle Gestaltung ein eigenständig handlungsfähiges Rechtssubjekt zur Seite zu stellen.

„Der  Zweck der Stiftung ist es, industrie- und alltagskulturelle Prozesse für die öffentliche Meinungsbildung zu erschließen und in ihren humanisierenden Wirkungen zu fördern.“ Satzungsgemäß verwirklicht sie diesen Zweck „insbesondere durch Unterstützung der Sammlung Industrielle Gestaltung“ (aus § 2 der Satzung).

Bereits die bloße Existenz der Stiftung sowie ihre ersten Handlungen leiten die Rettung der Sammlung industrielle Gestaltung ein.
Das Bundeswirtschaftsministerium plant zunächst, die Sammlung industrielle Gestaltung an den westdeutschen Rat für Formgebung in Frankfurt/Main zu überführen. Die  Stiftung Industrie- und Alltagskultur tritt dafür ein, die Sammlung industrielle Gestaltung als Museum ostdeutscher Formgestaltung mit Schwerpunkt auf der Periode von SBZ und DDR zu profilieren und als Ganzes zu erhalten. Sie kann im Zusammenwirken mit der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, den Abtransport der Sammlung nach Frankfurt a.M. erfolgreich abwehren.

Die Stiftung erklärt gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium, dem das Eigentum des Amtes für industrielle Formgestaltung gemäß Einigungsvertrag – und damit auch die Bestände der Sammlung industrielle Gestaltung samt Designfachbibliothek und Designfotothek zur Abwicklung zugefallen waren – ihre Bereitschaft, die Sammlung industrielle Gestaltung mit ihren Rechten und Pflichten zu übernehmen.

Die zweite wichtige Handlung der Stiftung besteht darin, auf eher unkonventionelle Weise mit dem Deutschen Werkbund zusammenzuarbeiten und eine Ausstellung aus den Beständen und mit den Mitarbeitern der Sammlung vorzubereiten, die bereits Mitte Dezember 1990 im Pavillon des Deutschen Werkbundes in Frankfurt am Main eröffnet werden konnte.
>> Ausstellungen

Das Ausstellungs- und Publikationsprojekt „Vom Bauhaus bis Bitterfeld. 41 Jahre DDR-Design“ erweist sich als nachdrückliche Weichenstellung für die spätere erfolgreiche Arbeitsweise von Stiftung und Sammlung. Die Ausstellung erbringt in den höchst widersprüchlichen Auseinandersetzungen nach dem Mauerfall für eine gesamtdeutsche Öffentlichkeit auf nachhaltige Weise den Nachweis fachkompetenter und kulturpoltisch souveräner Arbeitsweise der Sammlung industrielle Gestaltung.

1991

Am 1. Januar errichtet Graf Strachwitz in der Trägerschaft der Maecenata Management GmbH die rechtlich unselbständige Stiftung Industrie- und Alltagskultur und bevollmächtigt den Leiter der Sammlung industrielle Gestaltung Hein Köster, die Maecenata insoweit rechtlich zu vertreten, als es die Angelegenheiten der Stiftung betrifft. Damit ist die Stiftung rechtlich und personell eigenständig handlungsfähig.

In komplizierten und nachdrücklich geführten Verhandlungen kann im engen Zusammenwirken mit der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, vertreten durch Reiner Güntzer, der Abschluss der „Verwaltungsvereinbarung über den Wechsel der Trägerschaft einer Designsammlung, einer Fotothek und einer Bibliothek gem. Artikel 35 des Einigungsvertrages“ mit dem Bundesminister für Wirtschaft, Außenstelle Berlin am 4. Juli 1991 herbeigeführt werden. Nicht nur im Titel des Vertrages sondern ebenfalls unter Punkt 5 wird auf Artikel 35 Einigungsvertrag hingewiesen; es heißt dort: „Der Wechsel der Trägerschaft erfolgt gemäß Artikel 35  des Einigungsvertrages (Kultur)“. Das Erhaltenswerte, die „besondere kulturelle Substanz“ der Sammlung industrielle Gestaltung besteht eben darin, die einzige umfassende Dokumentation der ostdeutschen industriellen Formgestaltung (Design) mit Objekten, Entwürfen, Publikationen, Fotos u.a.m. zu präsentieren. Ihr Schwerpunkt ist nicht die ostdeutsche Alltagskultur.

Die Sammlung industrielle Gestaltung wird, um sie gleichsam in verwaltungstechnische Abläufe einzubeziehen, „transitorisch“ dem Märkischen Museum zugeordnet, also vorübergehend, denn es besteht in der Senatsverwaltung die Absicht, später ein verwaltungsrechtlich selbständiges Museum „Sammlung industrielle Gestaltung“ zu schaffen.

Um Bestrebungen der Übernahme durch andere Institutionen sowie Anfeindungen aufgrund von Unkenntnis oder Ignoranz sachlich entgegentreten zu können, gibt die Stiftung die 130 Seiten und mit vielen Fotos ausgestattete Informationsschrift  über die Sammlung „Einblicke – Ausblicke“ heraus, die im Oktober auf einer vielbeachteten Pressekonferenz vorgestellt wird. In dieser Schrift wird u.a. das Projekt „Entschwundene Lebenswelten“ näher dargestellt.

Da absehbar ist, dass über den bisherigen Standort der Sammlung industrielle Gestaltung in Berlin-Mitte, Clara-Zetkin-Straße 28 (heute Dorotheenstrasse) anders verfügt werden würde, engagiert sich die Stiftung frühzeitig im Kulturbrauerei e.V. und gehört zu den Initiatoren der Gründung der Kulturbrauerei gGmbH, an deren Betreibungskonzeption sie maßgeblich mitwirkt. Es gelingt, für die Sammlung ca. 3.000 qm Fläche mietvertraglich zu sichern. Die mietvertraglichen Flächen umfassen mit  2.000 qm das Gebäudeensemble des gesamten Nordflügels der Kulturbrauerei (Haus 6.1 und 6.2), das aus drei verschiedenen, aneinandergereihten mehrgeschossigen Funktionsgebäuden besteht, sowie optional weitere 1.000 qm Fläche für Depotzwecke, deren Lage auf der Kulturbrauerei noch zu bestimmen ist.  Die Mietkonditionen beinhalten einen äußerst günstigen Mietzins von 5 DM/qm sowie die Bedingung, dass Sanierung und Ausbau der Räume von den Mietern selbst geleistet werden müssen. Das Einwerben erforderlicher Mittel wird damit unabdingbar. Die Stiftung übernimmt vorwiegend völlig desolate, eigentlich unbenutzbare Räume auf der Kulturbrauerei. Damit schafft sie die Voraussetzungen dafür, dass die Sammlung industrielle Gestaltung ein neues Domizil übernehmen kann. Die Nutzungsdauer beträgt 10 Jahre, auch beinhaltet der Mietvertrag die weitere Möglichkeit zur Vertragsverlängerung. Die lange Vertragsdauer schafft die Voraussetzungen dafür, dass die öffentliche Hand in den Ausbau der Räume investieren kann. Die günstigen Mietkonditionen gelten später noch bis Ende 2011 fort.

Und schließlich erwirbt die Stiftung ein Transportfahrzeug (BARKAS B 1000), das von der Sammlung industrielle Gestaltung genutzt wird. Nach dessen Verschrottung erwirbt die Stiftung einen zweiten BARKAS, der später in den Fuhrpark der Senatsverwaltung aufgenommen wird und bis 2005 seinen Dienst tut.

Die Stiftung Industrie- und Alltagskultur wird in den Bundesverband Deutscher Stiftungen aufgenommen.

1992

Die Stiftung erarbeitet mit dem Architekturbüro Fabrik N° 40 Architekten Weiß & Faust GbR ein Nutzungs-, Gestaltungs- und Ausbaukonzept für die Räume der Sammlung auf der Kulturbrauerei, auf deren Grundlage das Einwerben von finanziellen Mitteln erfolgt.

Unter Mitwirkung der Stiftung gelingt es, die dauerhafte finanzielle Ausstattung der Sammlung industrielle Gestaltung zu sichern. Es stehen fortan der Sammlung 1 Mio DM/ 511.000 € aus Landes- bzw. Bundesmitteln zur Verfügung. Diese finanzielle Absicherung gewährleistet künftig die eigenständige Arbeitsweise der Sammlung in den wechselnden Rechtsträgerschaften. Der Leiter der Sammlung besitzt  Programm-, Finanz- und Personalhoheit.

Die Stiftung übernimmt ein Konvolut von Modellen, Zeichnungen, Fotos und Unterlagen der Fachabteilung Industriedesign der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, das sie der Sammlung als Schenkung zueignet.

1993

Das Ministerium des Inneren des Landes Brandenburg genehmigt am 28. Januar die Stiftung Industrie- und Alltagskultur als rechtlich selbständige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit der Satzung in der Fassung vom 16. Dezember 1992.

Die konstituierende Sitzung des Stiftungsrates findet am 21. April 1993 statt. Graf Strachwitz beruft als Treuhänder die Mitglieder des ersten Stiftungsrates: Professor Matthias Gubig, Senatsrat Reiner Güntzer, Dipl.-Ethn. Christa Lorenz, Professor Dietmar Palloks und Dipl.-Arch. Herbert Pohl.

Mit der Genehmigung der Stiftung, der vorläufigen Bescheinigung ihrer Gemeinnützigkeit sowie der erfolgten Berufung des Stiftungsrates ist die Stiftung nunmehr als rechtlich selbständige Stiftung errichtet; damit endet die Tätigkeit des Treuhänders.

Der Stiftungsrat beruft auf der konstituierenden Sitzung Hein Köster und Mark Kuhrt zum Vorstand der Stiftung und wählt Professor Dietmar Palloks zum Stiftungsratsvorsitzenden.

Die Stiftung erhält Ende des Jahres eine Zuwendung vom Ministerium des Inneren in Höhe von 400.000 DM, um Räume für die Sammlung industrielle Gestaltung zu sanieren und für museale Zwecke nutzbar zu machen. Es werden im Mitteltrakt des Nordflügels ein Raum für Ausstellungszwecke sowie ein Raum für Bibliothekszwecke hergestellt.

In dieser wie in allen folgenden Baumaßnahmen fungiert die Stiftung als Bauherr; der Stiftungsrat beauftragt Hein Köster mit der Wahrnehmung dieser Pflichten.

Die Sammlung übersiedelt Ende des Jahres von Berlin-Mitte nach Prenzlauer Berg in die Räume auf der Kulturbrauerei.

1994

Die Sammlung industrielle Gestaltung kann mit finanzieller Unterstützung der Stiftung ihre erste Ausstellung im eigenen Haus eröffnen; Kultursenator Ulrich Roloff-Momin spricht zur Eröffnung der Ausstellung „Das Beste für den Werktätigen“; er betont, dass es hier um mehr als nur um Gegenstände und um Einstellungen zu den Gegenständen gehe, hier „geht es konkret noch um mehr , denn es geht um Designgeschichte, Designpolitik und um die Arbeit von Designern in der ehemaligen DDR. Und es geht auch hier um unsere Haltung und unsere Einstellung gegenüber der ehemaligen DDR.“

1995

Auf Vermittlung von Graf Strachwitz engagiert sich die Kulturstiftung der Länder und veröffentlicht die Fundraising-Schrift „Helfen Sie uns, die Sammlung industrielle Gestaltung als ein Museum der ostdeutschen Produktkultur in Berlin-Prenzlauer Berg zu erhalten und weiter auszubauen. Ein Appell der Stiftung Industrie- und Alltagskultur“.

Die Deutsche Gesellschaft, das Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin sowie die Stiftung Industrie- und Alltagskultur veranstalten die Tagung „Ethnisierung Ost“.

Im Obergeschoss des westlichen Gebäudetraktes der Sammlung  werden Arbeitsräume für die Mitarbeiter der Sammlung hergestellt. Die Finanzierung erfolgt mit Bundesmitteln unter der Bedingung der Kofinanzierung. Die Kofinanzierung in Höhe von 150.000 DM übernimmt die Stiftung.

Die Stiftung übernimmt für zwei Jahre eine ABM-Kraft, die projektgebunden für die Sammlung tätig ist, sowie 2001 eine ABM-Kraft für drei Jahre.

Die Stiftung beginnt damit, einen weiteren Museumsraum – den ehemaligen Pferdestall, später als  Turnhalle genutzt – zu sanieren und als Ausstellungsraum auszubauen. Mit dem Ausbau der Arbeits- Ausstellungs- und Bibliotheksräume im 1. und 2. Obergeschoß werden die Treppenaufgänge vom Bauamt Pankow/Prenzlauer Berg unter Bestandsschutz gestellt, damit ist die Zugänglichkeit der Ausstellungsräume in den oberen Etagen gewährleistet und ein die historische Bausubstanz entstellender Umbau verhindert. .

Die Sammlung industrielle Gestaltung wird eigenständige Abteilung in der neu errichteten Stiftung Stadtmuseum Berlin.

1996

Die Sanierung des sogenannten Pferdestalls wird abgeschlossen und mit der Ausstellung „Wunderwirtschaft. DDR-Konsumkultur und Produktdesign in den sechziger Jahren“ eröffnet. Die Ausstellung ist ein Projekt des Instituts für Europäische Ethnologie in der Trägerschaft der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst sowie der Sammlung industrielle Gestaltung und der Stiftung Industrie- und Alltagskultur. Die Ausstellung zählte knapp 50.000 Besucher.

Die Stiftungsaufsicht des Landes Brandenburg beanstandet die Mitwirkung von Professor Reiner Güntzer, der inzwischen die Leitung der Stiftung Stadtmuseum Berlin (vormals Märkisches Museum und andere Museen) übernommen hatte, und von Hein Köster als Leiter der Sammlung industrielle Gestaltung in Organen der Stiftung, sie sieht darin einen Interessenkonflikt, beide treten zurück. Infolge der engen Verflechtung der Arbeit von Sammlung und Stiftung nimmt Köster weiter bis 2007 an den Sitzungen von Stiftungsrat und –vorstand als Gast teil.

Rupert Graf Strachwitz wird Vorstand der Stiftung.

1997

Die Sammlung und die Stiftung erhalten neue Signets und eine neue Geschäftsausstattung, die auf der Verwendung der Faltgrafik „Schwarzer und roter Haken, horizontal““ (1971) des konstruktivistischen Künstlers Hermann Glöckner (1889 – 1987) beruht. Die Genehmigung hierzu erteilt die Hermann Glöckner Nachlassverwaltung in Dresden. 

Der schwarz-rote Haken steht fortan für die Sammlung, der blau-schwarze Haken für die Stiftung; beide Fassungen symbolisieren augenfällig  den Zusammenhang von Museum und Förderstiftung.

Die erweiterte Verwendung des Glöckner-Motivs ist jedoch mehr als eine gebrauchsgrafische Attitüde, sie verweist vielmehr auf der grundlegenden heuristischen Methodik der Glöcknerschen Arbeitsweise für das Design. Bereits die DDR-Auszeichnung für „Gutes Design“ in ihren unterschiedlichen Ausprägungen berief sich auf die „Verklammerten Kreisplatten“ von Hermann Glöckner (siehe form+zweck 6/1978).

Zur Ausstellung der Sammlung „Dieses Museum muß verhindert werden! - Stadtdesign und Zensur“, Mai bis Juli  1997 wird das Signet mit der Einladungskarte als Bildzeichen grafisch und inhaltlich vorgestellt.

Die Sammlung industrielle Gestaltung übernimmt eine Industriehalle in Marzahn (ca. 1.000 qm) sowie weitere Flächen im Untergeschoss des Nordflügels der Kulturbrauerei für Depotzwecke. Die Industriehalle wird angemietet, da es nicht gelungen ist diese Depotflächen auf dem Gelände der Kulturbrauerei für die Sammlung bereitzustellen. Mit dem seit Ende seit 1976 bestehenden Lager in Zossen besitzt die Sammlung damit drei Depots für ihre anwachsenden Bestände.

1998

Nachdem die Versuche der TLG gescheitert sind, einen Investor für das Gelände der Kulturbrauerei zu verpflichten, entwickelt sie 1997 selbst ein Finanzierungs- und Betreibungskonzept und beauftragt auf dessen Grundlage das Architekturbüro Weiß & Faust Fabrik Noo 40 mit der Planung und Bauleitung. Dieses Konzept droht am Widerspruch der Linken und Bündnisgrünen in der Bezirksverordnetenversammlung Prenzlauer Berg zu scheitern, deren Zustimmung erforderlich ist. Die Gesellschafter der Kulturbrauerei GmbH einschließlich der Stiftung Industrie- und Alltagskultur unterstützen das Sanierungskonzept durch eine massive Öffentlichkeitsarbeit sowie insbesondere durch zahlreiche Führungen auf dem Gelände und Gespräche mit den Parteien und Fraktionen zu Beginn des Jahres 1998.

Um den Beginn der Baumaßnahmen zu gewährleisten, werden die bis dahin genutzten Depoträume auf dem Gelände der Kulturbrauerei geräumt und die Industriehalle in Marzahn vorbereitet und eingeräumt.

1999

Die Stiftung wählt einen personell neu besetzten Stiftungsrat; den Vorsitz übernimmt Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Thierse, die Stellvertretung Professor Dietmar Palloks.

Die Stiftung erhält als Schenkung von einer Privatperson ca. 32.000 Filmplakate sowie ein großes zweiteiliges Stalin-Porträt. Dem Willen des Schenkers gemäß werden das Stalin-Porträt sowie je drei Drucke eines Plakates der Sammlung industrielle Gestaltung übertragen; die restlichen Plakate können verkauft werden; die Erlöse kommen der Stiftungsarbeit zugute. Ein Teil der Plakate wird von der Sammlung noch im gleichen Jahr in einer Ausstellung präsentiert.

Nach dem Ausscheiden des Franz-Clubs als Gesellschafter der Kulturbrauerei gGmbH übernimmt die Stiftung einen Teil der freigewordenen Anteile.

2000

Rupert Graf Strachwitz legt sein Amt als Stiftungsvorstand nieder, der Jurist Dr. Thomas Freytag wird in den Vorstand berufen.

Die Stiftung erhält vom Bund eine Zuwendung in Höhe von 300.000 DM und beginnt mit der Sanierung der Erdgeschoßräume des mittleren Gebäudes sowie des Gebäudes an der Knaackstrasse, am nördlichen Eingang zum Hof der Kulturbrauerei.

Die Stiftung Stadtmuseum Berlin gerät in eine angespannte finanzielle Lage und entwirft Sparpläne. Die Angriffe auf den selbständigen Status der Sammlung seitens der Stiftung Stadtmuseum Berlin verstärken sich, insonderheit sollen deren Bestände in die Depots des Stadtmuseums überführt werden. Die Stiftung sieht die Selbständigkeit der Sammlung industrielle Gestaltung gefährdet, sie tritt aktiv dafür ein, die Sammlung aus dem Stadtmuseum herauszulösen. In dieser Situation verabreden der Direktor des Deutschen Historischen Museums, Professor Christoph Stölzl und der Leiter der Sammlung industrielle Gestaltung, Hein Köster einen Wechsel der Rechtsträgerschaft. Die Sammlung geht zum 1. Januar 2001 zum Deutschen Historischen Museum über und bewahrt sich dort den Status als Sondersammlung mit einer Finanzausstattung von 511.000 €.

Die ersten ostdeutschen Stiftungen Haus Europa, Neue Kultur und Industrie- und Alltagskultur feiern ihr zehnjähriges Bestehen auf der Kulturbrauerei und dokumentieren ihre Arbeit in kleinen Ausstellungen im Nordflügel der Kulturbrauerei.

Das Museum verfügt jetzt erstmalig über einen Eingangsbereich, der den Erfordernissen eines Museum entspricht sowie über einen weiteren Ausstellungsraum (ca. 200 qm). Die Ausstellungsfläche beträgt jetzt insgesamt 750 qm.

Die Stiftung erhält vom Deutschen Historischen Museum die Zustimmung, im Foyerbereich einen Museumsladen mit Manufactum-Erzeugnissen einzurichten. Manufactum übernimmt die Kosten für die Ausstattung des Ladens und räumt der Stiftung günstige Sonderkonditionen ein. Die Erlöse aus dem Verkauf dienen gleichermaßen der Stiftungs- und Museumsarbeit. Die Zusammenarbeit mit Manufactum begründet sich aus dem verwandten Anliegen beider Institutionen, nämlich für ein angemessenes Design der Langlebigkeit, Einfachheit und Funktionalität einzutreten.

Die Stiftung beschäftigt im Manufactum-Laden zwei Mitarbeiter. 

Die Stiftung erhält eine weitere Zuwendung vom Bund in Höhe von 321.000 DM für die Bauarbeiten im Erdgeschoß.

2001

Die Stiftung beendet die Bauarbeiten im Erdgeschoß.

Im Foyer der Sammlung industrielle Gestaltung eröffnet ein Museumsladen. Angeboten werden ca. 500 Erzeugnisse der Firma Manufactum, deren Produkte nach Kriterien gestaltet werden, die auch für viele Formgestalter der DDR maßgeblich waren: Einfachheit, Funktionalität, Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit. Viele der angebotenen Produkte wurden noch in der DDR entworfen und produziert. Die Stiftung Industrie- und Alltagskultur betreibt den Laden bis 2004.

Die Stiftung beschäftigt für drei Jahre eine ABM-Kraft, die projektgebunden in der Sammlung tätig ist.

2002

Die Geschäftsführung der Kulturbrauerei gGmbH beantragt einvernehmlich mit den Gesellschaftern  die Einleitung eines Insolvenzverfahrens. Im Ergebnis dieses Verfahrens wird die gGmbH aufgelöst. Die Stiftung verliert ihre Einlagen in Höhe von 15.000 DM.

Mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten wird die Consense GmbH gegründet, die in veränderter Weise die Nachfolge der Kulturbrauerei gGmbH übernimmt. Die Stiftung bzw. das Museum industrielle Gestaltung müssen künftig ihre Mietsache gegenüber der Gebäudeverwaltung direkt vertreten. 

2003

Das Deutsche Historische Museum kommt den Verpflichtungen zur Weiterentwicklung der Sammlung industrielle Gestaltung höchst ungenügend nach. Infolge der Einbindung der Sammlung in das Deutsche Historische Museum und der dadurch veränderten Stellung der Sammlung zum BKM (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien) ist es der Stiftung nicht mehr möglich, direkt Anträge zum weiteren Ausbau der Museumsräume für die Sammlung zu stellen. 

Da das DHM weder aus eigenen Mitteln noch durch entsprechende Antragstellung den weiteren Ausbau der Museumsräume betreibt, unterbleiben seit 2001 selbst einfache Sanierungsmaßnahmen. Dies ist umso bedauerlicher, denn mit der vorgesehenen denkmalsgerechten Wiederherstellung der Treppenhäuser sowie dem sogenannten Futterboden sollen zwei Bereiche der überaus beeindruckenden Industriearchitektur für das Gelände der Kulturbrauerei wiedergewonnen werden.

Vielmehr ist es das massive Bestreben der Leitung des DHM, die Bestände der Sammlung industrielle Gestaltung als „herrenloses Gut“ in die Sammlungen des Deutschen Historischen Museums zu integrieren.

Deshalb teilt auf Intervention der Stiftung die Staatsministerin beim Bundeskanzler, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Dr. Christina Weiss in ihrem Schreiben vom 5. Mai 2003 dem Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Thierse als Stiftungsratsvorsitzendem mit, dass sie die „ angespannte Situation zwischen Herrn Köster und Herrn Professor Ottomeyer“ sehr bedauere und zu einer „baldigen Versachlichung“ beitragen wolle. Zur Versachlichung trug sie bei, indem sie klarstellte: „Der Sammlungsbestand ist das Eigentum des Bundes, vertreten durch mein Haus, und wurde dem Deutschen Historischen Museum zur Verwaltung und Nutzung übergeben. Es bestand immer unter allen Beteiligten Konsens, dass die Sammlung ein eigenständiger Bestandteil innerhalb des Deutschen Historischen Museums sein soll. Aus diesem Grund wird die Sammlung industrielle Gestaltung in einer gesonderten Titelgruppe innerhalb des Wirtschaftsplanes des Deutschen Historischen Museums geführt. Zur Regelung der verwaltungsmäßigen Zusammenarbeit zwischen der Sammlung industrielle Gestaltung und dem Deutschen Historischen Museum wurde eine Vereinbarung geschlossen. Somit ist die Sammlung industrielle Gestaltung in ihrer Selbständigkeit einerseits und in ihrer Anbindung an das Deutsche Historische Museum andererseits weitgehend dem Alliierten Museum und dem Museum Berlin-Karlshorst vergleichbar. Natürlich ist das wichtigste Ziel für die Sammlung industrielle Gestaltung die Eröffnung der Dauerausstellung sowie die Entwicklung eines eigenständigen Ausstellungsprofils. Für die museale Sicherung der Sammlung auf Dauer kommt aber der Inventarisierung des Bestandes mindestens die gleiche Bedeutung zu wie seiner Präsentation. Dieses muß ein besonderes Interesse von Herrn Köster sein, der wie kein anderer mit der Sammlung verbunden ist und wie kein anderer Kenntnisse besitzt über die Genese sowie die Geschichte der einzelnen Objekte.“

Für die von Dr. Christina Weiss bezeichneten Aufgaben hatte das BKM entgegen der im Jahre 2001 getroffenen Zusagen keine projektgebundenen Mittel zur Verfügung gestellt; auch das Deutsche Historische Museum hatte keine Personalkapazitäten abgestellt. In der Sammlung sind zum Zeitpunkt dieser Aussagen 1 Leiter, 1 wissenschaftlicher Mitarbeiter, 1 verkürzt arbeitende wissenschaftliche Bibliothekarin und 1 Sekretärin tätig.

Die Bestände der Sammlung sind von der ersten Inventarbucheintragung im Jahr 1953 bis 1990 ebenso wie einzelne spätere Bestandsgruppen inventarisiert.

2004

Um die strukturellen Mängel für die Sammlung industrielle Gestaltung im Deutschen Historischen Museum endlich zu überwinden, forciert die Stiftung ein Modell der Eigenständigkeit. Auf Anfrage der Stiftung entwickelt der Stiftungsexperte  Professor Hans-Peter Schwintowski von der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin ein Rechtsmodell, wonach in der Trägerschaft der Stiftung Industrie- und Alltagskultur die rechtlich unselbständige „Stiftung Sammlung industrielle Gestaltung“ errichtet werden könnte. Die Bestände, die Finanzausstattung, die bestehenden Verträge u.a.m. sind dieser Rechtskonstruktion zufolge vertraglich der Stiftung Industrie- und Alltagskultur als rechtlich selbständiger Stiftung zu übertragen. Die Errichtung dieser Rechtskonstruktion wäre innerhalb weniger Monate durchführbar. Der Vorzug dieses Modells besteht darin, dass Stiftung und Sammlung endlich selbst für die Belange des Museums einzutreten imstande gewesen wären und sich nicht mehr andersgerichteten musealen Verwaltungen, andersgerichteten Eigeninteressen einzufügen hätte.

Der Leiter der Sammlung Hein Köster erläutert im Mai 2004 dem Staatssekretär im BKM Knut Nevermann die Defizite der Sammlung industrielle Gestaltung und skizziert Lösungsvorschläge im o.g. Sinne; eine Klärung im Expertenkreis wird zugesagt.

Für alle Beteiligten – das sind: für das DHM Professor Hans Ottomeyer, für das Haus der Geschichte in Bonn Prof. Hermann Schäfer und für die Sammlung industrielle Gestaltung Hein Köster – völlig überraschend teilt Knut Nevermann Anfang Dezember mit, dass die Sammlung industrielle Gestaltung dem Bonner Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland mit Wirkung vom 1. Januar 2005 unterstellt werde. Die Wege und Gründe dieser Entscheidungsfindung sind der Stiftung nicht näher bekannt; sie kann lediglich zitieren, dass Dr. Wolfgang Thierse dies später als ein Erfolg seiner Arbeit als Stiftungsratsvorsitzender bezeichnet.

Da Manufactum inzwischen in zentraler Lage in Berlin eine Filiale eröffnet hat, gestaltet sich der Umsatz im Museumsladen der Sammlung immer komplizierter; die Stiftung stellt den Betrieb im Januar 2004 ein.

Der Publizist Hasso Bräuner gibt eine CD-ROM heraus, in denen die drei Deutschen Warenbücher komplett und mit allen Abbildungen vorgestellt werden; darin kommentiert Hein Köster die ostdeutsche Warenkunde FORM UND DEKOR.

Die Stiftung stellt diese CD-ROM in einer Veranstaltung vor, die von Manufactum gesponsert wird.

In der Langen Nacht der Museen führt die Stiftung anhand ausgewählter Industrieerzeugnisse aus der Sammlung eine Besucherbefragung  zu Vernunft, Gebrauch und Ästhetik von Industrieerzeugnissen durch, die eine außerordentlich intensive Beteiligung erfährt. Die Befragung wird von Manufactum gesponsert, die eine Auswertung der Befragungsergebnisse erhält.

2005

Ende Februar schließt die letzte Ausstellung der Sammlung industrielle Gestaltung.

Wegen verwaltungstechnischer Probleme der Überleitung der Sammlung industrielle Gestaltung vom Deutschen Historischen Museum zum Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (HdG) in Bonn erfolgt die völlige Einordnung der Sammlung ins HdG erst am 1. Juli 2005.

Mit Vollendung seines 65. Lebensjahres beendet Hein Köster entsprechend den Regelungen des öffentlichen Dienstes sein Arbeitsverhältnis in der Sammlung. Ab Sommer 2005 schließt das Haus der Geschichte einen Honorarvertrag mit Köster, der ihn verpflichtet, Ordnung und Sicherheit vor Ort zu gewährleisten und insbesondere die Bestände der Sammlung auf einen „musealen Kernbestand“ zu reduzieren. Köster kündigt den Vertrag im April 2007 fristlos. 

2007

Professor Dietmar Palloks und Hein Köster schlagen auf einer Sitzung des Stiftungsrates vor, dass die Stiftung das Projekt „Archiv ostdeutsche Formgestalter“ konzipiert und gemeinsam mit dem Haus der Geschichte/Sammlung industrielle Gestaltung verwirklicht. Im Rahmen des Projektes sollen die gestalterischen Lebensleistungen der zumeist betagten Gestalter anhand von Dokumenten, Fotos, Entwürfen/Modellen und Produkten als auch in Selbstdarstellungen (Ton-/Videoaufzeichnungen) erfasst und dargestellt werden. Die Dokumente und Artefakte sollen in den Bestand der Sammlung übergehen. Da aber das Haus der Geschichte an einer Erweiterung der Dokumentationen und Bestände offenbar nicht interessiert ist, reduziert die Stiftung das Projekt auf Ton- und Videopräsentationen.

2008

Die Sammlung industrielle Gestaltung erhält ab Februar mit Dr. Johanna Sänger eine neue wissenschaftliche Leiterin.

In der Gedenkstättenkonzeption des Bundes wird verbindlich festgeschrieben, dass in der Sammlung Industrielle Gestaltung in der Berliner Kulturbrauerei eine Dauerausstellung entstehen soll, „die die Geschichte der Produkt- und Alltagskultur in der DDR nachzeichnet.“ Hierfür hatte sich der Stiftungsratsvorsitzende Wolfgang Thierse eingesetzt. Inwiefern diese Ausstellung auch auf das ursprüngliche Kernanliegen der Sammlung Industrielle Gestaltung eingehen wird – die Geschichte des Designs in der SBZ/DDR darzustellen – bleibt allerdings offen.

Wolfgang Thierse scheidet Ende des Jahres auf eigenen Wunsch aus dem Stiftungsrat aus; er wolle künftig als Mitglied des Kuratoriums des Hauses der Geschichte die Gedenkstättenkonzeption der Bundesrepublik weiter begleiten.

Den Stiftungsratsvorsitz übernimmt wieder Prof. Dietmar Palloks

2009

Die Stiftung unterbreitet dem Haus der Geschichte eine Perspektive für die weitere Kooperation; sie schlägt vor, eine Reihe von Podiumsdiskussionen in den Räumen der Sammlung zu veranstalten. Dabei soll ostdeutsche Formgestaltung  zusammen mit westdeutschen und aktuellen Entwicklungen betrachtet werden. Die mit kleinen Studioausstellungen illustrierte Gesprächsreihe soll es der Sammlung ermöglichen, in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und  der interessierten „Designerszene“ der wiedervereinten Stadt zurückzukehren. Zwei Gesprächsveranstaltungen der Reihe können 2010 in der Sammlung stattfinden.

Die Stiftung beauftragt Hannah Bauhoff und die Berliner Gruppe „anschlaege.de“, in persönlichen Interviews mit älteren Designerinnen und Designern, die mit der Kamera dokumentiert und später im Internet veröffentlicht werden sollen, von einem individuell-biographischen Ansatz her Einblicke in das Design der DDR zu schaffen. Die Interviews sollen ebenso dem Haus der Geschichte/Sammlung industrielle Gestaltung für künftige Ausstellungen zur Verfügung gestellt werden.

2010

Im Februar veranstaltet die Stiftung in den Räumen der Sammlung Industrielle Gestaltung in Kooperation mit dem Haus der Geschichte die Podiumsdiskussion: „Ausgebremst und durchgestartet – Trabant, Golf & Co. im geteilten Deutschland“.

Die Stiftung beauftragt im Sommersemester 2010 Studierende der Hochschule Wismar mit dem Projekt „Designbrauerei“. Eine Reihe von Entwürfen für Ausstellungsgestaltungen in der Sammlung Industrielle Gestaltung und modulare Ausstellungssysteme für die Sammlung entstehen. Die Ergebnisse des Projektes werden abschließend dem Haus der Geschichte in Bonn übergeben.  

Das Projekt „Archiv ostdeutsche Formgestalter“ trägt erste Früchte: Hannah Bauhoff und anschlaege.de führen im Auftrag der Stiftung im Depot der Sammlung in Spandau Videointerviews mit acht Gestaltern aus der ehemaligen DDR durch.

Mit der Podiumsdiskussion „Umsteigen bitte! Geschichte und Zukunft der Schienenfahrzeuggestaltung in Deutschland“ feiern die Stiftung Industrie- und Alltagskultur und die Stiftung Neue Kultur im Dezember in den Räumen der Sammlung in der Kulturbrauerei zugleich ihr 20jähriges Bestehen.

2011

Die Objektsammlung Industrielle Gestaltung ist komplett mit Fotothek und Bibliothek ins Depot des HdG in Spandau umgezogen.

Die Stiftung wird Mitglied im Internationalen Designzentrum Berlin.

Die Website „www.ueberholt-und-unerreicht.de – DESIGNER DER DDR“ veröffentlicht online erste Ergebnisse der Videointerviews des Projekts „Archiv ostdeutscher Formgestalter“.

Die Berliner Agentur GRAFISCH entwickelt die Webpräsenz der Stiftung Industrie- und Alltagskultur.

Die Stiftung beauftragt die Fernsehjournalistin Christiane Hög mit der Durchführung weiterer Audio- und Videointerviews.

 

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Signet der Stiftung Industrie- Alltagskultur, Farbvariante in blau; analog zu dem Signet Sammlung industrielle Gestaltung in rot, 1993, nach einer Faltgrafik des Konstruktivisten Hermann Glöckner (1889 – 1987)

Aus dem Einigungsvertrag, Artikel 35
(1) In den Jahren der Teilung waren Kunst und Kultur - trotz unterschiedlicher Entwicklung der beiden Staaten in Deutschland - eine Grundlage der fortbestehenden Einheit der deutschen Nation. Sie leisten im Prozess der staatlichen Einheit der Deutschen auf dem Weg zur europäischen Einigung einen eigenständigen und unverzichtbaren Beitrag. Stellung und Ansehen eines vereinten Deutschlands in der Welt hängen ausser von seinem politischen Gewicht und seiner wirtschaftlichen Leistungskraft ebenso von seiner Bedeutung als Kulturstaat ab. Vorrangiges Ziel der Auswärtigen Kulturpolitik ist der Kulturaustausch auf der Grundlage partnerschaftlicher Zusammenarbeit.
(2) Die kulturelle Substanz in dem in Artikel 3 genannten Gebiet darf keinen Schaden nehmen.
(3) Die Erfüllung der kulturellen Aufgaben einschließlich ihrer Finanzierung ist zu sichern, wobei Schutz und Foerderung von Kultur und Kunst den neuen Laendern und Kommunen entsprechend der Zuständigkeitsverteilung des Grundgesetzes obliegen.
(4) Die bisher zentral geleiteten kulturellen Einrichtungen gehen in die Trägerschaft der Länder oder Kommunen über, in denen sie gelegen sind. Eine Mitfinanzierung durch den Bund wird in Ausnahmefällen, insbesondere im Land Berlin, nicht ausgeschlossen.
(5) Die durch die Nachkriegsereignisse getrennten Teile der ehemals staatlichen preussischen Sammlung (unter anderem Staatliche Museen, Staatsbibliothek, Geheimes Staatsarchiv, Ibero-Amerikanisches Institut, Staatliches Institut für Musikforschung) sind in Berlin wieder zusammenzuführen. Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz übernimmt die vorläufige Trägerschaft. Auch fär die künftige Regelung ist eine umfassende Trägerschaft für die ehemals staatlichen preussischen Sammlungen in Berlin zu finden.
(6) Der Kulturfondes wird zur Förderung von Kultur, Kunst und Künstlern übergangsweise bis zum 31. Dezember 1994 in dem in Artikel 3 genannten Gebiet weitergeführt. Eine Mitfinanzierung durch den Bund im Rahmen der Zuständigkeitsverteilung des Grundgesetzes wird nicht ausgeschlossen. Über eine Nachfolgeeinrichtung ist im Rahmen der Verhandlungen über den Beitritt der Länder der in Artikel 1 Abs. 1 genannten Länder zur Kulturstiftung der Länder zu verhandeln.
(7) Zum Ausgleich der Auswirkungen der Teilung Deutschlands kann der Bund übergangsweise zur Förderung der kulturellen Infrastruktur einzelne kulturelle Maßnahmen und Einrichtungen in dem inArtikel 3 genannten Gebiet mitfinanzieren.

Publikation „Sammlung industrielle Gestaltung: Einblicke – Ausblicke“, hrsg. von Sammling industrielle Gestaltung mit Unterstützung der Stiftung, Berlin 1991; Layout und Titel: Dietrich Otte

Foundraising-Schrift der Kulturstiftung der Länder, mit einem Appell der Stiftung, Berlin 1994

Entsorgung des BARKAS der Sammlung 2005, im Hintergrund die zu Depotzwecken genutzte Industriehalle in Berlin-Marzahn; Foto: Stefan Wolski

Anlieferung der Doppel-T-Träger für den „grauen“ Raum. Die Träger nehmen die Last der darüber gelegenen Bibliothek auf; Dezember 1993; Fotos: Thomas Meter

Aufstellen der Bibliotheksregale; Foto: Hein Köster

sanierter „grauer“ Raum im 1. OG; März 1994; Foto: Hein Köster

Freigelegtes und restauriertes Geländer im „grauen“ Raum, Detail des Handlaufs; Foto: Hein Köster

Sanierung des Geländes der Kulturbrauerei, Bereiche vor der Sammlung, im Winter 1998/99; Fotos: Hein Köster

Das Beste für den Werktätigen, Ankündigung an der Fassade der Kulturbrauerei, 1994; Foto: Hein Köster

Kultursenator Erich Roloff-Momin (rechts) im Gespräch mit Hein Köster im sog. Pferdestall, 1994; Foto: Maria Steinfeld

Eröffnung der Ausstellung „Wunderwirtschaft“, vor der Sammlung, 1996; Foto: Thomas Meter

Ausstellungsgespräch mit Lothar de Maizière und Wolfgang Thierse in der Ausstellung OSTmix; Foto: Hein Köster

Depot der Sammlung auf der Kulturbrauerei, 1992; Foto: aus art 10/1992

Tiefkeller der Kulturbrauerei, als Depoträume für die Sammlung geplant, aus klimatischen Gründen gescheitert, 1998; Foto: Hein Köster

Ersatzdepot in einer ehemaligen Industriehalle in Berlin-Marzahn, 1999; Foto: Hein Köster

Prof. Karl Clauss Dietel und Hein Köster im Marzahner Depot vor einem Regal mit HELI-Geräten, 2004; Foto: Bruno Dietel

Depot Marzahn, im Vordergrund „Arbeiter und Kolchosbäuerin“ von Vera Muchina, ein Geschenk Breshnews an Ulbricht für das Staatsratsgebäude; Foto: Hein Köster

Sanierung und Ausbau der Räume der Sammlung im Erdgeschoss, Beseitigung der Pferderampe und Schaffung eines Durchgangs vom Foyer zum Ausstellungsraum. Statische Maßnahme im Deckenbereich; Fotos: Hein Köster

Gebäudeensemble der Sammlung mit saniertem Erdgeschoß, Sommer 2002; Foto: Hein Köster

Eingangssituation zu den Räumen der Sammlung

Museumsladen mit Manufactum-Erzeugnissen. Die Ausstattung des Museumsladens wurde von Manufactum finanziert. Auftraggeber: Stiftung Industrie- und Alltagskultur, 2001, Projekt/Entwurf Interieur: Fabrik No 40. Architekten Weiß & Faust


Schaufenster der Sammlung industrielle Gestaltung in der Kulturbrauerei 2010; Foto: Cornelia Hentschel