Presse-Resonanzen auszugsweise zitiert zu folgenden Themen:
Zu den Ausstellungen
Über die Sammlung/Museum industrielle Gestaltung
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Sammlung/Museum industrielle Gestaltung



die tageszeitung  – 22.11.1990

DDR-Designarchiv weg von Berlin?
Mit einem Hilferuf, die drohende Zerstückelung der „Sammlung industrielle Gestaltung“ zu verhindern, hat sich deren Leiter, Hein Köster, an die Öffentlichkeit gewandt. Der einzigartige Fundus von Designdokumenten aus der ehemaligen DDR umfaßt eine Bibliothek, eine Fotothek und ein Kollektion von Alltagsexponaten.
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MÖBEL / RAUM / DESIGN  – Wien, 2/1991
Einblicke – Ausblicke
Ein schmaler, unauffälliger Band, fast könnte man ihn übersehen. Aber irgendetwas zieht doch die Aufmerksamkeit an – vielleicht gerade die unprätentiöse Aufmachung, die saubere graphische Gestaltung […] wenn man erst einmal zu lesen begonnen hat, zeigt sich, daß hier ein wechselvolles, interessantes und weit über das engere Thema hinaus signifikantes Kapitel der neueren Designgeschichte geschrieben wurde.
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Der Tagesspiegel – 18.12.1991
Auch das Nichts ist ein Etwas
Thomas Eckert
Die Jagd auf das Designerbe konnte beginnen. Interesse zeigte nicht nur der Rat für Formgebung in Frankfurt, eine Stiftung privaten Rechts, die hauptsächlich aus Mitteln des Bundeswirtschaftsministeriums und des Landes Hessen finanziert wird, sondern beispielsweise  auch das Internationale Design-Zentrum in West-Berlin oder Museen aus Berlin, den neuen und alten Bundesländern. Erst als Ende des letzten Jahres auch die Berliner Kulturverwaltung zum Halali ins Horn stieß, war für die meisten die Treibjagd zu Ende. […]
Die Allianz Köster-Senatsverwaltung war offenbar zu stark für die Frankfurter. Lakonisch vermerkt das Protokoll der Vorstandssitzung des Rates für Formgebung vom 7. Juni 1991: „Die Übernahme der Bibliothek des ehemaligen AiF durch den Rat für Formgebung ist endgültig nicht möglich, da die AiF-Bibliothek auf Grund des sogenannten „Einigungsvertrages“ nämlich in den fünf neuen Bundesländern verbleiben muß.“
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Frankfurter Allgemeine Zeitung – 23.12.1991
Produktkultur in der DDR
C.B.
Im Zuge des Einigungsvertrages hatten zahlreiche altbundesdeutsche Museen und Institutionen, darunter der Rat für Formgebung, Interesse an der Übernahme von Objekten, Bibliothek und Fotothek bekundet. Inzwischen ist der Zusammenhalt und Verbleib der Kollektion in Berlin durch eine temporäre Eingliederung in das Märkische Museum gesichert […] Einen ersten Eindruck von der Vielfalt industrielle hergestellter DDR-Gebrauchsgüter vermittelt die soeben mit Unterstützung der „Stiftung Industrie- und Alltagskultur“ im Eigenverlag herausgebrachte Publikation „Einblicke - Ausblicke“.
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art – März 1992
Oft wird die Vergangenheit auf der Müllkippe bewältigt
André Meier
„Wir haben die Pflicht zu erinnern“, mahnt Köster, der die derzeit noch in der früheren Ostberliner Universitätsbibliothek eingelagerte Kollektion von Industrie- und Alltagsdesign seit 1974 verwaltet. Dem Vorwurf, ein „DDR-Heimatmuseum“ aufzubauen, begegnet er mit einem Hinweis auf die Geschichte der von Mart Stam (1899 bis 1968) gegründete Sammlung.
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art  – 10/1992, Oktober
Hier ruht die gute Form der DDR
Peter Hans Göpfert
Wonach Zeitgeist-Publizisten und Talkshow-Redner nach der Wende verzweifelt suchten: die DDR-Identität – hier ist sie mit Händen zu greifen. Die Bedingungen der Planwirtschaft, die Auswirkungen eines Marktes ohne Konkurrenz, gesellschaftliche Idealvorstellungen von der „Erziehung des DDR-Volkes zum gut gestalteten Produkt“ und die permanente Mangellage der frühen Jahre haben eine Formensprache geprägt, die erhellende und bestürzende Einblicke in eine ostdeutsche Alltagskultur erlaubt, wie sie so isoliert, so klar im pluralistischen Wettbewerb westlicher Länder gar nicht entstehen konnte (insofern ist es leichtfertig und gedankenlos, die Bedeutung des Instituts in Frage zu stellen mit dem Hinweis, für das Design in der Bundesrepublik habe es ja auch kein eigenes Museum gegeben).
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WAZ WOCHENENDE  – 12.10.1993
Der schöne Schein der DDR
Joachim Rogge
Eine Wanderung an den Regalkilometern vorbei ist eine Reise in die Vergangenheit, in der das Schöne und Edle – doch doch, auch das gab es – neben grotesken Scheußlichkeiten aus den Niederungen industrieller Fertigung im Chemie-Zeitalter plaziert ist. Hier präsentiert sich , auf Regalen gestapelt, die Formenwelt der DDR vom Anfang bis zum Ende, gelegentlich rührend armselig, aber auch streng klassisch und innovativ in bester, fortschrittlicher Bauhaus-Tradition: schlicht und einfach, aber phantasievoll.
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STERN  – 52/1993
Auf der Welle der Ostalgie
Mara Kaimmel
Manchmal fühlt sich Köster wie ein Ethnograph, Spurenleser einer einzigartigen Alltagskultur, wie sie im Zusammenspiel von Planwirtschaft und ewigem Mangel, gesellschaftlichen Idealen und Borniertheit der politischen Klasse entstanden ist. Er will ein treffendes Bild dieser Kultur zusammensetzen, frei von Klischees und willkürlichen Interpretationen.
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Neues Deutschland – 02./03.07.1994
Die List der Vernunft
Horst Knietzsch
Wenn die Sammlung jetzt in Berlin verbleibt und zusammengehalten werden konnte, ist das zu einem guten Teil Hein Köster zu danken, einem diplomierten Philosophen mit den Nebenfächern Kunstgeschichte und Ästhetik, ehemals Chefredakteur der Zeitschrift „form + zweck“. Nach Kollisionen mit dem SED-Politiker Konrad Naumann war er als „Einmannbetrieb“ [...] im Amt für industrielle Formgestaltung beschäftigt. Er habe, so meint er, in den letzten Tagen der DDR einige Weichen stellen können für den Erhalt der Sammlung und beruft sich auf Hegels List der Vernunft.
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Neues Deutschland – 01.08.1994
Schönes Design aus dem Container entschwundener Lebenswelten
Horst Knietzsch
Glücklicherweise konnten noch in den letzten Tagen der DDR durch eine Stiftungsgründung Weichen gestellt werden, die eine Deportation der Schätze nach Westdeutschland verhinderten. Mitte 1991 wurde die Sammlung, um „etwas von kultureller Substanz der DDR zu erhalten“, vom Land Berlin übernommen. So sind Voraussetzungen geschaffen, daß Zeugnisse aus einem abgeschlossenen Kapitel deutscher Geschichte zusammen bleiben, um auch künftigen Generationen Auskunft geben zu können über Plus und Minus industrieller Formgestaltung in der DDR.
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Handelsblatt – 26.08.1994
Alltagskultur im Sozialismus
Elke Trappschuh
Es sieht ganz so aus, als ob hier nach dem Tod der DDR, ganz diskret ein neues DDR-Museum auf den Weg gebracht wird. Ein Rarissimum in der Geschichte der deutschen Einigung. Nach einer Selbstdarstellung in Buchform (1991) gibt die Sammlung jetzt ihren öffentlichen Einstand im arg provisorischen Domizil, wo nach der dringend notwendigen Renovierung bald 2500 Quadratmeter Ausstellungsfläche plus Büroräume, Bibliothek und Depots zur Verfügung stehen sollen.
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Berliner Morgenpost – 02.07.1995
Nicht nur die geschmähte Plaste und Elaste
Peter Hans Göpfert
Eine Sammlung von design, in vergleichbarer Extremsituation, wie unter einer Glocke und ohne Innovationsdruck des freien Marktes entstanden, gibt es kein zweites Mal. Sie bewahrt die Entwurfsgeschichte der DDR mit allen Licht- und Schattenseiten [...].
Die Sammlung ist auf überregionale Resonanz angewiesen und ausgelegt. Private und institutionelle Förderer sind jetzt neben dem staatlichen Geldgeber zur Unterstützung bei Erwerb und baulicher Sanierung aufgerufen. Nichts wäre kurzsichtiger, als dieses unvergleichliche Museum mit lokalen Scheuklappen zu betrachten und zum Gegenstand von Formal- womöglich sogar von Personalinteressen bei der Bildung der Stiftung Stadtmuseum zu degradieren.
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DER TAGESPIEGEL – 17.12.1995
Plaste und Elaste kommen auch im Westen an
Andreas Austilat
Köster bezweifelt, daß irgendjemand wegwirft, was ihm wirklich wichtig ist. Sammlungen, die auf freiwilligen Spenden beruhen, führen zu einem schiefen Bild, die DDR werde reduziert auf das Banale und Kuriose. Damit gehe vielleicht die Chance verloren, eine Geschichte zu erforschen, die auch den Ostdeutschen nicht bekannt ist, habe doch die DDR mit ihren mitunter abrupten Kurswechseln bei gleichzeitiger Leugnung des Gewesenen immer ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Geschichte gehabt.
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design report spezial – 6/1996
Entschwundene Welten
Kai-Uwe Scholz
Museen in Ostdeutschland widmen sich verstärkt der DDR-Alltagskultur. Die „Sammlung industrielle Gestaltung“ nimmt dabei eine Ausnahmestellung ein: Statt nostalgische Bedürfnisse zu befriedigen, dokumentiert die Berliner Institution die Brüche in der Entwicklung des DDR-Designs.
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Neue Züricher Zeitung – 19.11.1996
„Wunderwirtschaft“
Kai-Uwe Scholz
Köster will Traditionen aufzeigen, in der die ostdeutsche Produktgestaltung stand, Einflußlinien und Brüche nachzeichnen – und präsentiert daher auch Objekte aus der Zeit vor 1945. Das ist legitim: Der Versuch, DDR-Alltagskultur pur zu rekonstruieren läuft Gefahr, ein schiefes Bild zu zeichnen. Als DDR-typisch springt im nachhinein vor allem das ins Auge, was dem Klischee des DDR-Typischen entspricht. Diese Selektion nach dem Kuriositätsprinzip zeigt sich am deutlichsten in einer Publikation, die die DDR-Produktkultur mit dem witzig, aber unzutreffend umgedeuteten Akronym „SED – Schönes Einheits-Design“ überschreibt. Dass etwa Wilhelm Wagenfelds Kubusgefässe bis Anfang der sechziger Jahre noch in der DDR weiterproduziert wurden, gerät erst gar nicht in den Blick.
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WELT am SONNTAG – 23.11.1997
DDR-Design ins Museum: Im ostdeutschen Alltag zeugt immer weniger von 40 Jahren Sozialismus
Hanna Mikteit
Was gibt es da zu retten, zu schützen und zu bewahren? Welchen Einfluß hat die sozialistische Formgestaltung auf das gesamtdeutsche, vielleicht sogar europäische Design der Zukunft? Die Meinungen reichen von „schön“ bis „scheußlich“, von „zukunftsweisend“ bis „vergänglich“. Hüten muß man sich vor gefühlsschwangerer DDR-Nostalgie, die eine aus dem Mangel geborene schlichte Form zur kulturellen Hochleistung erhebt. Es würde, kritisiert der  Kunstwissenschaftler Hans-Ulrich Reck, von linken Idyllikern eine „einzigartige Kultur“ der „Armut“ beschworen, um den Mythenbedarf westlicher Systemkritiker zu befriedigen. Mit DDR-Produkten  habe das wenig zu tun, denn die seien, so Reck, von „brachialer Häßlichkeit“.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung – 02.01.2002
Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier war
Peter Müller
Grund genug, um in den frisch renovierten Museumshallen Zukunftspläne zu schmieden. Der Dachboden des Stammhauses in der Kulturbrauerei soll zur Ausstellungsfläche ausgebaut, die versprengten Lager zu einem Schaudepot  vereinigt werden. Eine Dauerausstellung ist so überfällig wie ein fundierter Sammlungskatalog, der zwar leicht gegen Bilderbücher der Art „SED - Schönes Einheitsdesign“ (Taschen Verlag, 1990) antreten könnte, von dem man aber mehr Tiefgang erwarten muß als von der soeben erschienenen Ostalgiestudie „Penti, Erika und Bebo-sher. Die Klassiker des DDR-Designs“ (Günter Höhne, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, 2001).
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Die Welt – 07.01.2003
Der Traum vom Auto und die Mangelwirtschaft
Irma Weinreich
„Expertenvorschläge“, die darauf hinauslaufen, die Exponate einfach einzupacken und je nach Bedarf hervorzuholen, hat Köster über Jahre erfolgreich abgewehrt. Dabei kann er sich auf die Unterstützung von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) berufen. Erst bei der letzten Ausstellungseröffnung mahnte Thierse den Fortbestand des „schützenswerten Biotop der kulturellen Verständigung zwischen Ost und West“ mit dokumentarischer, kritisch-aufklärerischer Funktion wiederum an.
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designreport – 7+8/2003
Policy made in Germany
Bettina Becker
Die über mehrere Depots verteilte Sammlung industrielle Gestaltung mit den Ausstellungs- und Büroräumen in der Berliner Kulturbrauerei ist das wertvolle, erhalten gebliebene Sediment der DDR-Produktkultur. [...]
Jetzt stehen diese Zeugnisse der sozialistischen Lebensweise und Produktkultur wieder einmal kurz davor für immer zu verschwinden. Dieses Mal allerdings in den Depots von Dr. Hans Ottomeyer, dem Direktor des Deutschen Historischen Museums, der als ausgewiesener Spezialist für Historismus und Jugendstil bislang wenig Interesse an diesen Objekten zeigte. Denn die Sammlung industrielle Gestaltung ist immer noch keine selbständige Institution, sondern mittlerweile zu einer Abteilung des Deutschen Historischen Museums umgewidmet worden, dessen Leiter die Aufgabe des Standortes in der Kulturbrauerei bis Anfang 2005 forderte. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hingegen artikuliert bei den Ausstellungseröffnungen der Sammlung immer wieder den Wunsch, „dass es dem Museum eines Tages gelingen möge, eine gültige Dauerausstellung zu etablieren – als kulturelles Gedächtnis der DDR“. Während im Westen gefeiert wird, fehlt im Osten das Geld für die Sanierung. Noch 700.000 Euro müssten in das Ausstellungsgebäude investiert werden, sagt Hein Köster, ohne dessen Engagement es die einzigartige Sammlung ostdeutscher Produktkultur schon längst nicht mehr geben würde.

http://www.design-report.de/DRmainfachartikelarchivDetail.asp?artikelid=1000000801

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DER TAGESSPIEGEL – 17.12.2010
80.000 DDR-Designstücke lagern in Berlin
Carolin Ströbele
Woher kommt diese Zurückhaltung gegenüber dem Industrie- und Produktdesign der DDR? Westdeutsche Designer bewerten die Entwürfe aus dem Osten meist als rückwärtsgewandt, was schlicht mit den eingeschränkten Produktionsmitteln zu tun hatte. Vielleicht verbanden manche das Design, das zu DDR-Zeiten entstand, auch zu sehr mit der Politik der Funktionäre.
Die Bundesregierung sieht in ihrem Gedenkstättenkonzept vor, dass das Haus der Geschichte eine Dauerausstellung zur Produkt- und Alltagskultur der DDR entwickelt und betreibt. Das Geld dazu ist noch nicht bewilligt. „Wir hoffen auf 2013“, sagt Johanna Sänger. Bis dahin werden sie und ihre Mitarbeiter weiter katalogisieren, begleitet vom Lärm der Flugzeuge.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/80-000-ddr-designstuecke-lagern-in-berlin/3627636.html
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DER TAGESSPIEGEL  – 30.07.2011
Berlin konserviert seine Mauer
mop
Die Stiftung „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ wird in der Kulturbrauerei eine DDR-Ausstellung einrichten. „Die Schwerpunkte werden die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf das alltägliche Leben in der DDR sein“, sagte Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung, bei der Unterzeichnung des Mietvertrages am Freitag. Die Ausstellung wird im Gebäude 6.2. an der Knaackstraße 97 präsentiert. Der Mietvertrag hat eine Laufzeit bis 2021 – mit einer Verlängerungsoption auf weitere zehn Jahre.
Allerdings soll die Ausstellung wegen baulicher Maßnahmen erst Anfang 2014 eröffnet werden.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-konserviert-seine-mauer/4447468.html
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Berliner Zeitung – 31.07.2011
Neun Jahre geschlossen
Birgit Walter
Das hätte man nicht gedacht, dass das Haus der Geschichte hier
schon sechs Jahre Mieter ist. Nun plant es, auf 1700 Quadratmetern
Ausstellungsräume mit Informationszentrum und Bibliothek einzurichten.
Was wird gezeigt? Tja, dazu kann Hans Walter Hütter nichts sagen, aber die
Sammlung Industrielle Gestaltung wird ein wesentlicher Bestandteil sein. […]
Was hat das Haus der Geschichte dort in den letzten sechs Jahren gemacht? Hütter versteht die Frage zurecht als insistierend und erklärt: 160.000 Ausstellungsstücke gebe es, die meisten in einem erbarmungswürdigen Zustand, ohne ihn wären sie nicht zu retten gewesen. Und gezeigt werde nichts, weil die Räume erst hergerichtet werden müssten, die Treppe sei baufällig, nicht zu betreten. Noch nie habe es im ersten Geschoss Ausstellungen gegeben. Nein? Aber wir haben sie doch besucht!

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/352896/352897.php

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Neues Deutschland – 13.09.2011
Nicht nur Eierbecher.
Nachgefragt bei Dr. Mike Lukasch, Berlin-Koordinator der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Interview: Marion Pietrzok
Frage: Wie unterscheidet sie (die Sammlung industrielle Gestaltung/Red.) sich dann von anderen Einrichtungen wie zum Beispiel dem Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt oder dem Haus der Geschichte in Wittenberg mit dem Forschungs- und Dokumentationszentrum DDR-Alltagskultur und Geschichte des 20. Jahrhunderts?
Wir werden, mit anderen Schwerpunkten, die bestehenden Angebote ergänzen. Im Übrigen werden wir die Ausstellungsstücke aus der Sammlung Industrielle Gestaltung unter anderen mit Objekten aus unseren Sammlungen in Leipzig und in Bonn kombinieren. Und eine weitere wichtige Aufgabe sehen wir darin, die sehr umfangreiche Fotothek und die Bibliothek, die zur Sammlung Industrielle Gestaltung gehören, öffentlich zu machen. Sie sollen dazu anregen, weiter zu forschen.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/206555.nicht-nur-eierbecher.html?sstr=sammlung|industrielle|gestaltung
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Museumsmagazin – 4/2011
Alltag in der SED-Diktatur. Ausstellungsvorbereitungen in der Berliner Kulturbrauerei
Ulrike Zander
Zahlreiche Besucher kommen jährlich auf das Gelände, um die Veranstaltungen zu erleben. Diese Kulturinteressierten, oft eher unkonventionelle Besucher aus der ganzen Welt mit der neuen Ausstellung zum Alltagsleben in der SED-Diktatur zu erreichen, ist eine besondere Herausforderung für die Stiftung Haus der Geschichte: „Die Ausstellung, die wir vorbereiten, hat experimentellen Charakter – sowohl thematisch als auch im Hinblick auf die Zielgruppen“, so Stiftungspräsident Hans Walter Hütter. Das zeigt sich schon an den außergewöhnlichen Ausstellungsflächen, die ihren Industriecharakter behalten werden: alte Gebäudebeschriftungen auf roter Backsteinfassade, Rundbogenfenster, helle Räume.

http://www.museumsmagazin.com/berlin/alltag-in-der-sed-diktatur/
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design report – 1/12
Am Profil vorbei
Pauline Klünder
Der neue Träger muß sich dennoch Kritik gefallen lassen. Wird er den Besonderheiten des Sammlungsprofils gerecht werden? Wird die Sammlung sich auch als Designsammlung zu erkennen geben, entsprechend befragt werden? Merkwürdig indirekt antwortet der Berliner Koordinator auf die Frage: „Die Lebenseinstellungen der Menschen in der DDR reichten von überzeugter Anhängerschaft über weitgehende Anpassung bis hin zu Opposition und Widerstand. Biografische Beispiele können diese Haltung vielfältig erläutern.“ Die persönlichen Erinnerungen der Ostdeutschen würden sich oft mit Gegenständer verbinden, mit denen die Menschen lebten oder die sie schufen. „Auch anhand von Objektgeschichten über Herstellung, Konsum und Gebrauch werden die Produktkultur und damit die Besonderheiten des Lebens unter den Bedingungen der SED-Diktatur und der Mangelwirtschaft deutlich.“ Wovor hat man Angst? Darf die Arbeit ostdeutscher Gestalter keine Anerkennung finden, ohne die Rezipienten gleichzeitig über das politische Unrechtssystem zu belehren? Spricht die Geschichte ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen nicht für sich?
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Neues Deutschland – 13.01.2012
So wird eine Wunderkammer zur Schreckenskammer
Bernd Havenstein
Das avisierte „neue“ DDR-Museum ist die Sammlung industrielle Gestaltung, beheimatet seit beginn der 90er Jahre im Nordflügel der Kulturbrauerei [...]
Was dann im Magazin-Beitrag an ideologischen Leitplanken für die inhaltliche Ausgestaltung der Dauerausstellung vormontiert wird, kann – sollten sich wissenschaftliche Mitarbeiter daran orientieren – kein Ruhmesblatt in deren beruflicher Vita werden [...] Ich plädiere für folgendes: Gleichberechtigte Stellung der Sammlung industrielle Gestaltung im Verbund von Bonn und Leipzig; Verbesserung der personellen Ausstattung besonders im Dokumentationsbereich; Zugang für die wissenschaftliche Arbeit von Studenten und Fachleuten; Akzeptanz der Sammlung als „Design“-Sammlung; Erarbeitung einer Ausstellungskonzeption durch eine Fachgruppe mit DDR-Lebenslauf (sonst erklärt der „Westen“ wieder dem „Osten“, wie er gelebt hat). Bonn sollte einsehen, dass ein weiteres Gruselkabinett auch rufschädigend auf das Haupthaus zurückfällt.
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Deutschlandfunk – 25.06.2012
Vorsitzender der Gesellschaft für Designgeschichte kritisiert Umgang mit DDR-Produktdesign
Prof. Dr. Siegfried Gronert im Gespräch mit Susanne Luerweg
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1794392/ 

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Faltblatt „Sammlung industrielle Gestaltung“; Hrsg. Amt für industrielle Formgestaltung, Berlin 1987; Text: Hein Köster „Erfassen Erforschen Erschließen“; Gestaltung: Dietrich Otte

Köster, Hein; Lüder, Dagmar: „Sammlung industrielle Gestaltung. Einblicke – Ausblicke“, hrsg. von Sammlung industrielle Gestaltung, mit Unterstützung der Stiftung Industrie- und Alltagskultur, Berlin 1991; Titel und Layout: Dietrich Otte

Fundraising-Schrift der Kulturstiftung der Länder, mit einem Appell der Stiftung Industrie- und Alltagskultur, Berlin 1994

Lüder, Dagmar: „Helene Haeusler. Leben und Schaffen einer Spielzeuggestalterin“, Berlin 1995; Titel und Layout: Sophie Bleifuß

Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (Hrsg.): „Wunderwirtschaft. DDR-Konsumkultur in den 60er Jahren“, Köln, Weimar, Wien 1996; Titel und Layout: Felix Mühlberg

Gubig, Thomas; Köpcke Sebastian: „Chlorodont – Biografie eines deutschen Markenproduktes“, Berlin 1997; Titel und Layout: Thomas Gubig, Sebastian Köpcke

Gubig, Thomas; Köpcke Sebastian: „Altbewährt – Jugendfrisch. Werbegrafik von Günter Schmitz“, Berlin 1997; Titel und Layout: Thomas Gubig, Sebastian Köpcke

Gubig, Thomas; Köpcke Sebastian: „Horst Geil. Werbegrafik der 50er und 60er Jahre“, Berlin 1999; Titel und Layout: Thomas Gubig, Sebastian Köpcke

Hirdina, Heinz; Köster, Hein: „Christa Petroff-Bohne. Eine ostdeutsche Designer-Biographie“, Hohenberg/Eger 2000; Titel: unter Verwendung „Zeichen“ (1999) von Christa Petroff-Bohne, Layout: Matthias Gubig

Kassner, Jens: „Clauss Dietel, Lutz Rudolph. Gestaltung ist Kultur“, Chemnitz 2002; Titel: Thomas Gubig, Sebastian Köpcke, Layout: Olga und Jens Kassner

Gubig, Thomas; Köpcke, Sebastian: „Pop up. Die dreidimensionalen Bücher des Vojtěch Kubašta“, Berlin 2003; Titel und Layout: Thomas Gubig, Sebastian Köpcke

Faltblatt „Spielzeug in der DDR“, Berlin 2003; Text: Hein Köster, Gestaltung: Thomas Gubig, Matthias Köpcke