DDR-Industrie und Design
Bevor Herr Kelm (Anmerkung: Martin Kelm, 1972–1990 Leiter des neu gebildeten Amtes für industrielle Formgestaltung (AIF) beim Ministerrat der DDR und in dieser Eigenschaft Staatssekretär mit eigenem Geschäftsbereich) mit Gesetzen der Industrie verboten hat, freischaffende Designer zu beauftragen, gab es schon Gesetze, die vom DAMW, dem Vorgänger des AIF, veranlasst wurden mit Vorschriften für die Industrie. Es gab ja in der DDR Qualitätszeichen, und es war ein Anreiz da, dass die Firmen sich bemühten, ein besonders hohes Gütezeichen zu erhalten. Weil sie dann ihre Produkte günstiger verkaufen konnten, ich weiß nicht, wie das innerhalb der volkseigenen Industrie war, jedenfalls die Firmen hatten dadurch einen Vorteil, z.B. Exportfähigkeit. Das war ein gewisser Anreiz für die Industrie, entweder ein Design für ihre Produkte zu veranlassen oder zumindest begutachten zu lassen, ob sie Designqualität hätten. Und das führte dazu, dass die Designer zu Aufträgen kamen, auch wenn die Auftraggeber zähneknirschend nicht unbedingt eingesehen haben, dass man Design machen müsste, aber man brauchte es halt für das Gütezeichen.
Und da war es eigentlich die Aufgabe des Designers, wenn Vorbehalte da waren, durch Tatsachen zu überzeugen, dass das Vorteil bringt. Wenn zum Schluss was dabei rauskommt, wo sich auch die Leute von der technischen Seite damit identifizieren, dann ist das so das gemeinsame Kind. Und das war, das ist der Idealfall. Und in der Folgezeit war das dann so – die haben da was bei uns gemacht und man wurde intern weiterempfohlen, das führte dann eben auch zu Aufträgen. Ich muss ja sagen, dass ich in den neun Jahren, die ich in der DDR gearbeitet habe, freiberuflich Industriedesign gemacht habe, musste ich mich nicht selber um Aufträge kümmern. Das kam durch Empfehlungen, das eine ergab das andere, und das war natürlich in der Hinsicht anders im Westen, wo man sich selber um Akquisition kümmern musste. Worauf man, wenn man nicht von Haus aus begabt ist, nicht unbedingt eine Ausbildung hatte.

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